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Einleitende Bemerkungen

Durch die Einführung einer zweijährigen Standardausbildung für Lehrlinge, welche das Eidg. Fähigkeitszeugnis nicht auf dem normalen Bildungsweg erlangen können, führt das nBBG-Projekt zu einem Kulturwandel auf allen Stufen der beruflichen Ausbildung. Während das Zielpublikum mehrheitlich der heute in der Grundausbildung befindlichen Gruppe entspricht, haben die Ausbildungsanforderungen und die Organisationsmodalitäten mit den heute üblichen Formen nur sehr wenig gemein. Sowohl für die Lehrmeister als auch für die Lehrpersonen in der Berufsschule gilt es, die Ausbildung aufgrund festgelegter Zielsetzungen zu strukturieren. Lehrmeister/innen und Einführungskursleiter/innen müssen an der Auswertung beteiligt sein. Während der gesamten Ausbildung müssen sie explizit zusammenarbeiten.

Der vorliegende Bericht soll dazu dienen, diesen Wandel in den richtigen Rahmen zu stellen:
Er enthält eine Bestandesaufnahme über die Grundausbildung aufgrund der im Herbst 2000 in den einzelnen Kantonen durchgeführten Interviews und eine allgemeine Beschreibung der
betroffenen Zielgruppe. Ferner werden die von der praktischen Berufsausbildung anvisierten Ziele erläutert und die dazu notwendigen Mittel beschrieben.
Nachdem im gesetzlichen Rahmen des nBBG-Projektes die allgemeinen Ziele festgelegt und die betroffene Zielgruppe definiert wurden, ging es darum, die zur Erreichung der gesetzten
Ziele geeigneten Mittel zu finden. Das durch die "groupe de réalisation" entwickelte und vom BBT für die Pilotphase genehmigte Referenzmodell sieht eine Organisation der Ausbildung
vor, welche auf pädagogischen Überlegungen beruht, ohne die lediglich eine sterile Struktur mögliche wäre. Die neue Ausbildungsform bietet sich auch für andere Berufsgruppen an,
beispielsweise im Gesundheitswesen oder in der Landwirtschaft, und soll bisher benachteiligten bzw. von der Berufsausbildung ausgeschlossenen Personengruppen die berufliche Qualifikation ermöglichen.

Die für die Pilotprojekte Verantwortlichen haben eine beträchtliche Herausforderung angenommen:
Es geht darum, die gängigen Vorstellungen über die Fähigkeit schulisch weniger begabter junger Menschen zu wandeln, damit diese Zugang zu einer qualitätsvollen Be-rufsausbildung erhalten. Dazu muss ein modulares Ausbildungskonzept ausgearbeitet und
implementiert werden, das zwar dem Zeitgeist entspricht, in der Grundausbildung dennoch innovativ ist. Die Zusammenarbeit zwischen Lehrmeister/innen, Lehrpersonen und Einführungskursleiter/
innen muss über die gesamte Ausbildungsdauer organisiert werden, was bedeutet, dass diese ihre liebgewordenen Gewohnheiten ändern und Vorurteile aufgeben müssen. Es gilt, die richtige Kommunikation, die geeignete Sprache zu finden und alle Partner davon zu überzeugen, dass die gesetzten Ziele die Anstrengungen und den Zeitaufwand für die Zusammenarbeit rechtfertigen. Dabei müssen sie bereit sein, Kritik seitens der Verfechter des Status quo, Bemerkungen von Anbietern pfannenfertiger Lösungen, Vorwürfe von denjenigen, die lange über diese Problematik nachgedacht hatten sowie den Unmut nichtkonsultierter Personen über sich ergehen zu lassen. Später werden sie das Erfolgserlebnis haben, zur Implementierung eines innovativen Bildungssystems beigetragen zu haben,das jungen Menschen mit Schulproblemen offen ist, den Bedürfnissen Behinderter entspricht, unausgebildeten Erwachsenen offen steht und die Qualifikation der Frauen erleichtert.

Die durch die Kantone bzw. einzelnen Berufsverbände lancierten Pilotprojekte werden es ermöglichen, die vorgeschlagenen Ansätze mit eigenen Varianten auf die Probe zu stellen. Wenn diese Projekte dann in die aktive Phase treten, dient der vorliegende Bericht mit dem
heutigen Stand der Überlegungen und allen nötigen Referenzen und Unterlagen – so hoffen wir – als nützliches Nachschlagewerk über die Gegenwart und als Leitfaden für die Zukunft.

Autor: Jean-François Meylan
Übersetzung: Richard Squire

 
Ziele
 
  • das In-Kraft-Treten des neuen BBG vorbereiten
  • die Ausbildungen definieren
  • Berufsfelder erschliessen, für die momentan keine Ausbildungen vorhanden sind
  • Ausbildungen und Zertifizierungen auf nationaler Ebene harmonisieren
  • die berufspraktische Ausbildung zur Erreichung eines Fähigkeitszeugnisses anrechnen
  • ein modulares Konzept entwickeln, in dem die Weiterbildung integriert ist
  • das Ausbildungsangebot einem breiten Publikum erschliessen
  • Ausbildungen offerieren, die Jugendlichen angepasst sind
  • die von den Kantonen gemachten Erfahrungen in der Vorlehre und Anlehre einbeziehen
  • die berufspraktische Ausbildung bei Zielgruppen und Firmen verankern
  • die kantonalen Pilotprojekte von einer externen Instanz begleiten und auswerten lassen
  • die Kommunikation und Information über dieses Projekt und seinen Verlauf sicherstellen
  • dem Bund und den Kantonen Ressourcen für die Anwendung des Art. 23 über das Projekt des BBG zur Verfügung stellen
  • Zwischenberichte und einen Schlussbericht des Projektes verfassen.
  • Dieses Konzept liefert Grundlagen für Inhalte, Rahmenbedingungen, Zugangs- sowie Zertifikations-Bedingungen und orientiert über weitere Ausbildungs-Möglichkeiten.
 
Kurzfassung
 

Der Entwurf für das neue Gesetz über die Berufsbildung sieht eine berufspraktische Ausbildung vor (Art. 23). Das Projekt erlaubt es, auf nationaler Ebene die von diesem Artikel abzuleitenden Möglichkeiten zu prüfen:

  • für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten in der Schule
  • für Personen mit einem Abschluss in der Anlehre
  • für Jugendliche, die ihre Lehre abgebrochen haben
  • für Jugendliche und Erwachsene ohne Ausbildung.

Sobald der Rahmen und die Kriterien von der Steuergruppe festgesetzt sind, können die Kantone, die es wünschen, kantonale Pilotprojekte entwickeln. Mit diesen kantonalen Projekten sollen die Möglichkeiten der berufspraktischen Bildung getestet werden. Dies geschieht im Rahmen der von der neuen Gesetzgebung vorgegebenen Neuerungs- und Innovationspotenziale sowie der bis heute gewonnenen Erfahrungen in der Anlehre und in der praktischen Lehre.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten:

  • der modulare Aspekt der Ausbildung
  • der späteren Zugang zum Fähigkeitszeugnis für Personen mit Berufsattest
  • die Individualisierung dieser Ausbildungen.

Während der ganzen Dauer des Projektes wird auf ein relatives Gleichgewicht zwischen der Anzahl deutsch-, französisch- und italienischsprachiger Pilotprojekte geachtet.
Während des Projektverlaufs stellt die Steuergruppe die aus den Pilotprojekten erworbenen Erfahrungen und Resultate den Kantonen und anderen zuständigen Instanzen zur Verfügung. Die Steuergruppe sorgt für das Einholen, die Analyse, Synthese und Verbreitung aller Informationen, die für die Entscheidungsfindung und die Umsetzung der gesetzlichen sowohl auf eidgenössischer wie auch auf kantonaler Ebene notwendig sind.

 
Verlauf des Projekts
 

September 2000

Beginn

Herbst 2000

Fragestellung, Projektplanung

Winter 2000 –2001

Umfrage / Referenzmodell

August 2001

Beginn der Pilotprojekte, 1. Serie, 1. Jahr

Herbst 2001

Entwickeln des Evaluationskonzepts

Winter 2001

Einrichten der Internetseite

Frühling 2002

Beginn der Evaluation der Pilotprojekte

Frühling 2002

Zwischenbericht

August 2002

Pilotprojekte der 1. Serie: 2. Jahr

>

Beginn der Pilotprojekte der 2. Serie

Sommer 2003

Ende der Pilotprojekte

>

Evaluation (intern + extern) und Schlussfolgerungen

Dezember 2003

Schlussbericht

>

Vorschlag für die Umsetzung

>

Entwurf für die Regelung

 
groupe de pilotage
 

Bodenmann Kurt, St. Gallen
Vertreter der deutschschweizerischen Berufsbildungsämter

vakant
Vertreter des BBT

Imboden Serge, SFP Valais, Sion
Vertreter der deutschschweizerischen Berufsbildungsämter

Knutti Peter, DBK, Luzern (Co-Projektleiter)
Vertreter der DBK

Meylan Jean-François, SFP Vaud, Lausanne (Projektleiter)
Vertreter der CRFP

 
groupe de réalisation
 

Ficza Thomas, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bern
Evaluation

Knutti Peter, DBK, Luzern
Leitung, Modell, Evaluation, Pädagogik, Politik

Kübler Georges, MBA, Zürich
individuelle Begleitung

Meylan Jean-François, SFP Vaud, Lausanne
Projektleiter, Administration, Politik

Ming Peter, BWZ Obwald, Sarnen
Modell, Pädagogik, Evaluation

Abbondio Annemarie, DBK, Luzern
Dokumentation, Information

Asceric Snezana, DBK, Luzern
Organisation, Sekretariat